Tipps/Artikel/Veröffentlichungen

Allgemeine Themen:


  "Haltung und Zucht des Glosters im Jahreszyklus"
 
 "Glosterspezialschauen aus Sicht eines Züchters" 

 "Welche Coronas sollte man behalten und zur weiteren Zucht verwenden?"

 "Kanarienzucht in England - praktische Erfahrungen mit Nistgelegenheiten"

 "Weitere Veröffentlichungen"


Weitere Artikel rund um die Themen Gefieder, Farben, Mauser finden Sie auch hier (siehe auch Buttonleiste links)





   

Haltung und Zucht des Glosters im Jahreszyklus
Allgemeine Tipps für eine möglichst problemlose und erfolgreiche Zucht

(erschienen/veröffentlicht AZ-Vogelinfo Nr. 5/2012)


Auf Jahressicht gesehen sind beim Gloster (bei den anderen Kanarienrassen sicherlich ebenso) einige allgemeine Dinge zu beachten, auf die ich nachstehend näher eingehen möchte. Grundsätzlich sind in der Kanarienzucht im Verlauf des Jahres drei Phasen zu nennen, nämlich die Ruhephase, die Brutphase und die Mauserphase. Alle drei Phasen stellen unterschiedliche Ansprüche hinsichtlich der Lichtdauer, der Temperaturen, der Fütterung und vielem mehr. Diesen Artikel sehe ich als Ergänzung und weitergehende Information zu meinen Artikeln „Monatsleitfaden für Glosterzüchter“ (veröffentlicht/erschienen AZ-Nachrichten 9/2007) und „Gedanken zur Mauser“ (veröffentlicht/erschienen AZ-Vogelinfo 8/2009), die sich ebenfalls, zumindest zum Teil, mit dieser Thematik beschäftigen. Wie schon in dem Artikel „Monatsleitfaden für Glosterzüchter“ erwähnt, sind auch die nachstehenden Erfahrungen und Tipps auf die aus meiner Sicht jederzeit zu bevorzugende kalte Überwinterung (möglichst frostfrei) und einen Zuchtbeginn für etwa Mitte März (nicht früher!) ausgelegt.

Ruhephase:
In der Ruhephase einschließlich einer guten Zuchtvorbereitung liegt nach meiner Erfahrung der Schlüssel für eine erfolgreiche Zuchtsaison. Man hört immer wieder Züchter klagen, dass die Zuchtsaison so schlecht gelaufen sei. Dies kann natürlich die verschiedensten Gründe haben, ein Grundproblem ist aus meiner Sicht ein meist viel zu früher Beginn der Zuchtsaison. Oftmals werden die Paare schon unmittelbar nach den Ausstellungen im Dezember/Januar zur Brut angesetzt. Die Vögel hatten somit keine Zeit zu regenerieren. Bei zugekauften Vögeln ist dann auch keinesfalls sichergestellt, ob sie geschlechtsreif sind. Neun Monate sollten die Zuchtvögel schon mindestens alt sein, bevor sie erfolgreich befruchten und im Stande sind, problemlos Junge aufzuziehen. Die Ruhephase sollte keinesfalls zu kurz sein, sie sollte mindestens bis in den Februar hinein gehen. Bei Vögeln, die ggf. im Januar noch auf einer Deutschen Meisterschaft oder gar Weltmeisterschaft standen, sollte die Ruhephase entsprechend länger sein. Dies gilt auch, wenn sie ggf. schon auf vorherigen, kurz davor stattgefundenen Mehrtagesschauen zu sehr beansprucht wurden. Diese späten Schauen halte ich unter diesem Aspekt zumindest für Züchter mit einem überschaubaren, sprich kleinen Zuchtstamm für eher nachteilig.
Dem Thema Licht und Temperaturen ist insbesondere in der Ruhe- sowie in der Brutphase besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Die Temperaturen sollten in der Ruhephase möglichst niedrig gehalten werden. Eine ungeheizte jedoch frostfreie Überwinterung, wie z.B. in einem Gartenhaus (ohne Heizung, nur mit einem Frostwächter ausgestattet), ist einer warmen Überwinterung vorzuziehen. Aber auch in einem Zuchtraum im Haus lassen sich Temperatur und Licht entsprechend regulieren. Niedrige Temperaturen verträgt der Gloster problemlos, lediglich Zugluft sollte selbstverständlich vermieden werden. Bei kalt überwinterten, gesunden Glostern funktioniert die Verdauung besser und die Vögel sind widerstandsfähiger. Schwächliche Vögel, die durch Temperatursteigerungen, Medizin und viel Mühe über den Winter gebracht wurden, taugen kaum etwas für die Zucht.
Möglichst viel natürliches Tageslicht ist ganzjährig von großem Vorteil. Für eine Paarzucht in einem Zuchtraum kommt man um eine künstliche Beleuchtung jedoch in den meisten Fällen nicht herum. Dies ist sogar m.E. zwingend erforderlich. Während der Ruhephase sollten die Tage jedoch nicht mehr als nötig durch künstliche Beleuchtung verlängert werden. Bei mir hat sich in der Ruhephase (Ende November bis etwa Ende Januar, auch abhängig davon, wann mit der Brut begonnen werden soll) eine Tagesverlängerung bis etwa max. 18.00 Uhr bewährt, dies auch unter dem Gesichtspunkt der Berufstätigkeit, da ich die Vögel zumindest in den Wintermonaten nicht mehr im Hellen sehen würde und versorgen könnte. Wer also nicht berufsbedingt morgens früh raus muss und/oder schon früher nach Hause kommt, kann m.E. auf eine künstliche Tagesverlängerung in den Wintermonaten auch ganz verzichten. Bei der künstlichen Tageslichtverlängerung versteht es sich von selbst, dass diese kontinuierlich mit einer entsprechenden Dimmvorrichtung durchzuführen ist. Die Dimmvorrichtung sollte einstellbar sein und den natürlichen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang so natürlich wie möglich imitieren können, so dass sichergestellt ist, das die Vögel nicht abrupt in vollständiger Dunkelheit sitzen, wenn das Licht abends ausgeht. Auch könnten sie ggf. später während der Brutzeit ihre Nester nicht mehr wiederfinden. Erst gegen Ende/Mitte Januar wird das Licht allmählich wöchentlich um etwa eine halbe bis ganze Stunde erhöht, so dass die Lichtdauer zum gewünschten Zuchtbeginn (etwa Anfang bis Mitte März) bei ungefähr 14-15 Stunden liegt. Noch etwas Allgemeines zum Licht: Es versteht sich heutzutage eigentlich von selbst, dass nur noch Lampen mit elektronischen Vorschaltgeräten (EVG) zum Einsatz kommen, die aufgrund ihrer Bauweise gegenüber herkömmlichen Lampen ein absolut flimmer- bzw. flackerfreies Licht gewährleisten und unsere Tiere dadurch nicht einer permanenten „Discobeleuchtung“ ausgesetzt sind, was weniger Stress bedeutet. Die Leuchtmittel selbst sind dabei gar nicht mal so wichtig, wobei hier grundsätzlich Röhren mit einem gesunden UVA und UVB-Anteil (z.B. Osram Biolux) dem natürlichen Sonnenlicht am Nächsten kommen und daher am Besten geeignet sind. Solche Leuchtmittel sind dann bei Vögeln, die ausschließlich einer künstlichen Beleuchtung ausgesetzt sind, allerdings unerlässlich.
Zur Fütterung im Winter bzw. in der Ruhephase ist zu sagen, dass es sich anders als in der Brut- und Mauserphase um einen Erhaltungsbedarf handelt. Dieser Erhaltungsbedarf ist selbstverständlich abhängig von den Haltungsbedingungen und sollte sich demnach auch entsprechend unterscheiden. Wichtig ist m.E., dem Jahreszyklus von Ruhephase auf Zuchtvorbereitung und Zucht sowie Mauser Rechnung zu tragen. Während der Ausstellungszeit sowie in der Ruhephase bis etwa Februar bekommen meine Gloster eine „magere“ Kanarienmischung mit einem hohen Anteil an Spitzsamen (Glanz). Rübsen und Hanf werden in dieser Zeit überhaupt nicht gefüttert. Erst etwa ab Ende Februar, in der Phase zur Zuchtvorbereitung gegen Ende der Ruhephase, wird die Mischung auf eine proteinhaltigere Zuchtmischung mit Rübsen, Negersaat, Hanf etc. umgestellt.
In der Ruhephase sammeln die Vögel Kraft für die kommende Zuchtsaison. Die möglichst nicht allzu üppige Grundversorgung (Erhaltungsbedarf) in dieser Zeit spiegelt auch den natürlichen Jahreskreislauf wieder, während dem ebenfalls nur ein eingeschränktes Nahrungsangebot zur Verfügung steht.


Für viele Züchter sind die Schauen
und Prämierungen (hier z.B. die
Siegervögel der internationalen Glosterspezialschau
in Harsum/Asel) der Höhepunkt einer jeder Zuchtsaison.
In dieser Zeit während der Ruhephase, werden die Grundlagen
für die kommende Saison gelegt



Gloster Corona 0,1 B (li) und Consort 1,0 A in Schauqualität


Brutphase:
Die Brutphase beginnt bei meinen Glostern nicht vor Mitte März. Der gewünschte Beginn der Brutphase wird letztlich über die Fütterung, Lichtdauer und Temperatur gesteuert. Bereits gegen Anfang Februar werden die ausgewählten Paare in die entsprechenden Zuchtboxen gesetzt und mittels Trennschieber (mit kleinen Öffnungen, so dass untereinander Sichtkontakt besteht) getrennt. Hahn und Henne bleiben grundsätzlich so lange getrennt, bis ich mir sicher bin, dass insbesondere die Henne in Brutstimmung ist. Das sicherste Zeichen hierfür ist, dass sich das Paar gegenseitig füttert, der Hahn kräftig singt und die Henne Nistmaterial aufnimmt. Sollten sich beide Partner gegenseitig attackieren oder zumindest die Henne den Hahn bei seinen Balzversuchen verjagen, ist es für eine erfolgreiche Anpaarung und somit für den Brutbeginn noch zu früh. Schlimmstenfalls harmoniert das Paar aber auch nicht und man sollte die Partner tauschen. In beiden Fällen wäre ein unbefruchtetes Gelege vorprogrammiert und somit verschwendete Zeit und Energie. Man sollte sich also auch die Zeit nehmen, die Vögel gerade in dieser Phase mehr als sonst zu beobachten, denn auch so lässt sich das eine oder andere Schiergelege vermeiden.
Vor der Verpaarung ist dem Körpergewicht der Glosterhähne besondere Beachtung zu schenken. Bei Einzelhaltung in kleineren Boxen und mit eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten neigen die Gloster dazu, an Körpergewicht zuzulegen. Bei Hennen ist dies für die anstehende Brutphase durchaus gewünscht, da sie während dieser kräftezehrenden Zeit ohnehin leicht wieder an Gewicht verlieren. Bei den Hähnen ist es jedoch eher kritisch zu sehen, da ein übergewichtiger Hahn in der Regel Schwierigkeiten beim Befliegen und somit erfolgreichen Befruchten der Hennen hat. Hähne sollten daher in den Wintermonaten ausreichende Flugmöglichkeiten haben und keinesfalls übergewichtig sein. Auch an dieser Stelle möchte ich nochmals betonen, dass man nur mit 100% fitten und vitalen Tieren in die Zucht gehen sollte.
Die Temperaturen sollten bei einem für Mitte März geplanten Zuchtbeginn etwa ab Ende Februar allmählich auf Mindesttemperaturen von 12° - 14° C gesteigert werden. Die Temperaturen sind m.E. aber nicht so wichtig wie die Lichtdauer. Erst wenn die ersten Jungen schlüpfen, sollten die Temperaturen nicht mehr unter 16/17° C fallen, damit ein zu schnelles Abkühlen der Jungtiere beim kurzfristigen Verlassen des Nestes durch die Henne vermieden wird.
Wie bereits erwähnt, wird die Lichtdauer ab etwa Mitte Januar bis etwa Mitte März allmählich auf 14-15 Stunden erhöht. Bis etwa Ende März/Anfang April, wenn hoffentlich die ersten Jungen im Nest liegen, sollte die Lichtdauer bei etwa insgesamt mindestens 15 bis maximal 16 Stunden täglich liegen. Wie man seine Zeitschaltuhr programmiert bzw. wann die künstliche Tagesverlängerung morgens einsetzt und abends abschaltet, ist eigentlich nicht so wichtig. Viel wichtiger ist, dass sie durchgehend eingeschaltet bleibt. Ich habe schon von vielen Züchtern gehört, dass sie das Licht lediglich morgens und abends einschalten und tagsüber wieder abschalten. Bei dieser Methode besteht die Gefahr, dass die Hennen an trüberen Tagen, von denen es in unseren Breitengraden im Frühjahr ja genügend gibt, durch zu starkes Hudern die Jungen nicht ausreichend versorgen. Hähne reduzieren an dunkleren Tage das Singen und sind nicht so triebig, was eine schlechtere Befruchtung zur Folge haben kann.
Ein nicht zu unterschätzendes Thema in der Brutphase ist auch die Luftfeuchtigkeit. Sie sollte möglichst bei etwa 60 bis 70% liegen, sonst kann es Probleme beim Schlüpfen der Jungen geben. Auch können die Jungen schon zuvor im Ei absterben. Durch Heizen wird die Luft trockener und muss ggf. entsprechend reguliert werden. Wichtig ist auch frische Luft. Man sollte ganzjährig für genügend Luftaustausch sorgen, ohne dass jedoch Zugluft entsteht.
Die Fütterung sollte bereits im Verlauf zum Ende der Ruhephase (Erhaltungsbedarf) auf eine proteinreichere Fütterung (Wachstum und Versorgung der Jungen) umgestellt werden. Diesem erhöhten Grundbedarf an protein- und kohlehydrathaltigerem Futter trage ich in dieser Zeit mit der Fütterung von Zuchtmischungen Rechnung, die neben Spitzsamen und Rübsen auch Negersaat, Perilla, Sesam, Mohn und Leindottersamen enthalten. Diese Sämereien können bei Bedarf auch gesondert gereicht werden. Es versteht sich von selbst, dass in dieser Zeit auch Aufzucht-/Eifutter, Grünfutter und ggf. Keimfutter gereicht wird. Die Vitamingrundversorgung meiner Vögel erfolgt ganzjährig in erster Linie über die Verfütterung von Äpfeln, Gemüse, Grünfutter sowie gelegentlichen Gaben eines Multivitaminpräparates. Zu bedenken ist außerdem, dass die gängigen Aufzucht-/Eifutter bereits mit Vitaminen angereichert sind.
Lediglich in der Phase unmittelbar vor der Brutsaison verabreiche ich meinen Glostern gezielt Futtermittel mit erhöhten Anteilen an Vitamin-E, Zink und Selen, um die Vögel in Brutstimmung zu bringen und die Fruchtbarkeit zu erhöhen. Da ich nach Möglichkeit auf ein Zuviel an synthetischen Fertigprodukten für meine Vögel verzichte, greife ich hier bevorzugt auf natürliche Produkte wie z.B. Weizenkeimöl, getrocknete Weizenkeime, Sesam und Sojaschrot bzw. zerkleinerte Sojaflocken zurück, welche dem Aufzuchtfutter untergemengt werden. Mit der Fütterung der ersten frischen Löwenzahnblättern und -wurzeln sowie Vogelmiere in dieser Phase habe ich ebenfalls beste Erfahrungen gemacht. Diese Pflanzen lassen m.E. manches teure „Wundermittel“ entbehrlich werden.
Empfehlenswert ist vor der Zuchtsaison auch eine Behandlung gegen Milben durchzuführen. Als das wirksamste Mittel zur Behandlung gegen Milben hat sich für mich in den letzten Jahren das Mittel „Frontline“ herausgestellt. Dieses für die Vögel nach heutigem Wissensstand unschädliche Mittel bietet einen hohen Schutz gegen die sehr verbreitete nordische Milbe. Vielfach wird auch auf Ivomec bzw. Mittel mit dem Wirkstoff Ivermecthine zurückgegriffen, welches durch Auftrag auf die Haut (Spot-on-Methode) in die Blutbahn gelangt. Hier ist zu beachten, dass dieses Produkt weder kurz vor der Brutphase noch innerhalb dieser eingesetzt werden sollte, da ihm nach der Anwendung nachgesagt wird, eine vorübergehende Unfruchtbarkeit beim Vogel hervorzurufen.
Als weitere Vorbereitung auf die Zuchtsaison erhitze ich die bei mir zum Einsatz kommenden Nester (Tonschalen) und Nesteinlagen bei hoher Temperatur für etwa 7 Minuten im Backofen. Auf diese Art und Weise lassen sich Milben und Anderes ohne zusätzlichen und aus meiner Sicht entbehrlichen Einsatz von Chemie wirksam bekämpfen.



So sollte es sein, möglichst volle Nester mit vielen gesunden
vielversprechenden Jungen



Mauserphase:
Der kräftezehrende Federwechsel bei den Glostern (bei den anderen Rassen natürlich ebenso!), egal ob bei den Jung- oder Altvögeln, stellt hohe Anforderungen an den Organismus des Vogels. Aufgrund der Komplexität habe ich, diesem Thema einen umfassenden Artikel „Gedanken zur Mauser“ gewidmet der sich u.a. eingehend mit der Fütterung und vielem mehr beschäftigt. Daher möchte ich das Thema der Fütterung an dieser Stelle außen vor lassen und lediglich auf diesen Artikel verweisen. Besonders hervorheben möchte ich, dass die Zucht bzw. die Zuchtzeit nicht zu weit in den Sommer hineingehen sollte. Allerspätestens Ende Juni/Anfang Juli sollte die Zucht beendet sein, bis dahin sollten alle Jungen zumindest ausgeflogen sein. Ihre Zuchttiere werden es Ihnen mit einer problemlosen Mauser, allgemeiner Vitalität und spätestens im darauffolgenden Jahr wieder mit einer erfolgreichen Zucht danken. Wichtig für die Zuchttiere ist, dass sie nicht durch eine unnötig lange Zuchtsaison geschwächt in die Mauser gehen. Solche Vögel haben dann nicht nur in der Mauser ihre Probleme, sondern oftmals auch in den Wintermonaten und sind für die Zucht im darauffolgenden Jahr nur noch bedingt geeignet. Idealerweise sollten zwischen dem Ende der Zuchtsaison und dem Beginn der Mauser noch einige Wochen zur Regeneration liegen. Besonders wichtig ist es während der Mauserphase auch, dass die Vögel in dieser Zeit möglichst stressfrei gehalten werden. Unnötiges Herausfangen und in die Hand nehmen sollte tunlichst vermieden werden. Zu große Hitze während dieser Zeit ist auch eher nachteilig. Oftmals ist zu beobachten, dass die älteren Jungtiere in heißen Sommern die Schwanzfedern abwerfen. Da die nachgewachsenen Schwanzfedern dann immer etwas länger ausfallen, sind diese Jungtiere für die Schauen in der Regel nicht mehr zu gebrauchen. Sollte man also über Unterbringungsmöglichkeiten verfügen, die sich während allzu großer Hitzeperioden ggf. abkühlen oder partiell abdunkeln lassen, so ist das von großem Vorteil.
Grundsätzliches: Ganzjährig sollte man auch dem Immunsystem der Gloster besondere Bachtung schenken. Eine Aufrechterhaltung oder Verbesserung des Immunsystems geht immer einher mit der Stärkung der Leber und der Nieren sowie der Pflege des Darms. Zur Stärkung der Leber und Nieren hat sich in den letzten Jahren u.a. Mariendistelpulver hervorgetan. Der Samen der Mariendistel enthält den Wirkstoff Silymarin, welcher bei Leberproblemen (z.B. belastete oder überlastete Leber) sowie bei Vergiftungen Anwendung findet. Der Samen der Mariendistel kann aufgrund seiner Beschaffenheit leider nicht von den Kanarien geöffnet werden, eine direkte Verfütterung kommt somit nicht in Betracht und wir sind auf Mariendistelprodukte (Pulver oder flüssiges Konzentrat) angewiesen. Man sollte auch wissen, dass Mariendistelöl zwar reich an essentiellen Fettsäuren und Vitaminen ist und damit ein hochwertiges Futterergänzungsmittel darstellt, aber leider kein Silymarin enthält und somit als Mittel zur Stärkung des Immunsystems leider nicht geeignet ist.
Ein ebenfalls sehr hochwertiges Mittel in diesem Zusammenhang stellen Blütenpollen dar. Blütenpollen sind insbesondere sehr proteinreich und enthalten reichlich Aminosäuren, hochwertige Kohlehydrate, Mineralstoffe, Spurenelemente, Vitamine, Enzyme, Lecithin, ätherische Öle und antibakteriell wirkende Stoffe. Die Gabe von kleineren Mengen Blütenpollen bewirken nicht nur eine Stabilisierung des Immunsystems, sondern sind auch während der Zucht ein rein natürlicher und sehr hilfreicher Begleiter zur Steigerung der Leistungsfähigkeit, Fruchtbarkeit und bewirken, dass die Sterblichkeit der noch im Ei befindlichen Jungen verringert wird.


Blütenpollen sind proteinreich und enthalten
antibakteriell wirkende Stoffe


Natürliche desinfizierende Wirkung hat Propolis und ist somit ein wertvolles natürliches Mittel zur Pflege der Darmflora. Sehr gute Erfahrung habe ich damit gemacht, die Flüssigkeit (saisonal unterschiedlich und immer wechselnd, zumeist bestehend aus verschiedenen Ölen, wie z.B. Weizenkeimöl, Distelöl, Leinöl, Lebertran etc. und z.B. Kräutertees oder Leinsamentees, sowie Löwenzahnsaft, roter Sonnenhutsaft und Oreganoextrakt), welche ich zur Anfeuchtung des Aufzuchtfutters verwende, mit etwa sechs Tropfen Propolis anzureichern. Ebenfalls sehr gut geeignet ist Propolis, neben Essig, zur Desinfektion von Keimfutter. Ein paar Tropfen in das Keimwasser gegeben, lassen die für diese Zwecke angebotenen chemischen Produkte m.E. vollkommen entbehrlich werden.
Gerne mache ich auch etwa 2 bis 3x im Jahr mit meinen Glostern „Apfelessigkuren“, welche sich ebenfalls bestens zur Pflege des Darms und zur Stärkung des Immunsystems eignen. Über einen Zeitraum von etwa zwei Wochen pro Kur erhalten meine Gloster anstatt des tägl. frischen Wassers ein Apfelessig-Wassergemisch (Verhältnis 0,5ml Apfelessig zu 50ml Wasser).
Empfehlenswert ist, all die zuvor beschriebenen Mittel eher in Form von Kuren einzusetzen und regelmäßig zu wechseln. Hier gilt es, ein möglichst gesundes Maß zu finden und sowohl eine Unter- wie aber auch eine Überversorgung der Vögel zu vermeiden.
Eine übers Jahr gesehene abwechslungsreiche und ausgewogene Ernährung mit gezielten Gaben von Grünfutter, Obst (insbesondere Apfel) und einem Konditionsfutter (z.B. Zeisig-/Girlitz- und/oder Stieglitzmischungen, sowie Wildsamen) versteht sich von selbst und wirkt sich ebenfalls positiv auf das Immunsystems bzw. auf das allgemeine Wohlbefinden der Vögel aus. Die zuvor beschriebenen unterschiedlichen Anforderungen im Jahresverlauf sollten dabei aber nicht außer Acht bleiben.
Grundsätzlich gilt: Vorbeugen ist besser als heilen oder optimal versorgte Vögel werden nicht krank! Wenn man diese Grundsätze gezielt umsetzt, läßt sich m.E. der übertriebene Einsatz von Chemie und zumeist teuren und entbehrlichen Arzneimitteln vermeiden.
Von vielen Züchtern hört man in den letzten Jahren auch, dass es vermehrt Probleme mit dem „schwarzen Punkt“ gibt. Dies ist bei meinen Glostern kein erwähnenswertes Problem, was ich auch auf die zuvor beschriebenen Haltungsbedingungen und Beachtung der drei Phasen zurückführe.
Es hat sich für meine Zucht jedoch bewährt, einmal jährlich (möglichst nach den Schauen und rechtzeitig vor der Zucht) eine „Sammelkotprobe“ bei einem Tierarzt abzugeben und den Bestand so auf die gängigen Krankheiten (wie z.B. Kokzidiose, Mycoplasmen etc.) untersuchen zu lassen, um unliebsame Überraschungen während der Zucht möglichst zu vermeiden.
Um unsere Kanarien erfolgreich zu züchten und auszustellen, lässt es sich wie zuvor beschrieben nicht gänzlich vermeiden, den natürlichen Rhythmus etwas zu ändern. Dies sollte aber immer mit Bedacht geschehen, und wir sollten uns hier möglichst an der Natur orientieren. Alles was hiervon zu sehr abweicht ist aus meiner Sicht mit Problemen behaftet. Auch die Natur, Flora und Fauna gleichermaßen, hat Ruhe- und Wachstumsphasen, die Ruhephasen und damit einhergehende Regeneration sind existenziell wichtig für die folgenden Wachstumsphasen.


Mausernde Gloster im Sommer in
einer Außenvoliere



Weißgrundige Gloster zu Beginn
und gegen Ende der Mauser



Fazit:
-Den Vögeln eine ausreichende Ruhephase vor der Zucht einräumen
-Nur geschlechtsreife Vögel zur Zucht ansetzen
-Zuchtbeginn nicht vor Mitte März
-Körpergewicht beachten, nur gesunde, vitale Tiere zur Zucht ansetzen
-Gleichmäßige, helle Beleuchtung während der Zucht
-Temperaturen von mindestens 16° Grad während der Zucht
-Auf Luftfeuchtigkeit von etwa 60 bis 70% und allgemein auf ausreichend frische Luft achten
-Die Zucht sollte spätestens Ende Juni bzw. rechtzeitig vor der eintretenden Mauser abgeschlossen sein (Regeneration)
-Die Fütterung sollte den unterschiedlichen Phasen (Ruhe-, Brut- und Mauserphase) entsprechend angepasst werden
-Stärkung des Immunsystems; Kuren
-Behandlung/Prophylaxe gegen Milben rechtzeitig vor der Brutsaison
-Jährliche „Sammelkotprobe“ zur Kontrolle

Anmerkung: Dieser Artikel wurde auch in der Fachzeitschrift RÖK (Rassezuchtverband Österreichischer Kleintierzüchter) Ausgabe 06 u. 08/2013 veröffentlicht.





  Glosterspezialschauen aus Sicht eines Züchters


  (erschienen/veröffentlicht AZ-Vogelinfo Nr. 9/2009)


Die aktuelle Schausaison steht unmittelbar bevor. Die jungen Gloster sind hoffentlich alle gut durch die Mauser gekommen. Jeder ambitionierte Züchter möchte nun seine Vögel ausstellen und mit den Besten seiner Rasse vergleichen. Für diesen Vergleich bieten sich neben den Vereinsschauen, den Landesschauen und insbesondere der Bundesschau aus meiner Sicht auch ganz besonders die Spezialschauen an. Diese Spezialschauen unterscheiden sich von den zuvor erwähnten Schauen in einigen Punkten, auf die ich im folgenden Text noch weiter eingehen werde. Auf einer Glosterspezialschau kann aus meiner Erfahrung nicht nur der Anfänger einiges lernen, auch der fortgeschrittene Glosterzüchter kann hier sicherlich das ein oder andere mitnehmen.

Auf diesen Spezialschauen werden - wie auf den entsprechenden Schauen in Großbritannien, dem Mutterland des Gloster - die Vögel an einem Tag gerichtet und ausgestellt (sogenannte „Eintagesschau“). Das heißt, morgens erfolgt die Einlieferung, anschließend findet ein „offenes“ Richten durch englische Preisrichter statt und nachmittags ist die Ausgabe der ausgestellten Vögel. Die ganze Schau findet somit an einem Tag statt und die Vögel stehen damit nicht mehrere Tage auf einer Schau.

Ein „offenes“ Richten bedeutet, dass die Vögel im Beisein bzw. vor den Augen der Züchter (dies ist der Unterschied zu den herkömmlichen Schauen, wo die Vögel unter Ausschluss der Öffentlichkeit Tags zuvor gerichtet werden) nach dem Platzierungssystem (Platz 1-7, so wie es auch bei der AZ praktiziert wird) gerichtet werden.

Selbstverständlich werden die Klassen nach Hahn und Henne getrennt sowie nach Jung- und Altvogel. Auf den internationalen Glosterspezialschauen ist es üblich, dass die Klassen entsprechend nach Hahn und Henne aufgeteilt werden. Dies ist jedoch wiederum nur möglich, da die zuvor erwähnten Spezialpreisrichter aufgrund ihrer Erfahrung mit dieser Rasse in der Lage sind, Hahn und Henne zweifelsfrei zu unterscheiden.

Nach dem Richten besteht u.a. auch die Möglichkeit, mit dem Zuchtrichter über das Ergebnis zu diskutieren. Wer bereits ein „offenes“ Richten miterlebt hat, kann m.E. besser nachempfinden und verstehen, warum z.B. der eine oder andere Vogel (vielleicht auch der eigene, den man subjektiv als den viel besseren gegenüber der Konkurrenz einschätzt) nicht als der Klassenbeste oder gar Siegervogel aus einer Schau hervorgeht. Oftmals entscheiden nur Kleinigkeiten darüber, warum der eine oder andere Vogel nicht auf den vorderen Plätzen landet, der Vogel braucht z.B. im Moment des Richtens nur etwas nervöser zu sein und präsentiert sich gegenüber der Konkurrenz zu diesem Zeitpunkt nicht so, wie der dann besser platzierte und schon kostet dies u.U. den besseren Platz. Bei den herkömmlichen Schauen lassen sich solche Entscheidungen oftmals nicht mehr nachvollziehen und der eine oder andere Züchter steht vor den Ausstellungsregalen und fragt sich, warum jetzt z.B. der oder der Vogel besser platziert ist, obwohl andere dahinter Platzierte vielleicht doch den Standard besser erfüllen.

Als ein Pflichtprogramm für den Glosterzüchter in Deutschland sehe ich die Spezialschau in Harsum an, für die ich an dieser Stelle gerne Werbung machen möchte.

Auf der Schau in Harsum werden ausschließlich englische Spezialpreisrichter verpflichtet, die von der IGBA (International Gloster Breeders Association) anerkannt wurden. Seit der ersten Spezialschau in Harsum im Jahre 1996 kamen u.a. die namhaften und wohlbekannten Preisrichter Popham, Shepard, Storey, Gash, Barrett, Dunn, Rands, Kelham, Rutland, Salmon, M. u. P. Guest sowie M. u. D. Moore zum Einsatz. Lediglich einmal konnte aufgrund von höherer Gewalt (Brand auf dem Londoner Flughafen) kein engl. Preisrichter eingesetzt werden. Kurzfristig konnte damals der in Deutschland allseits bekannte Glosterzüchter und Preisrichter Lothar Schüller (ein von der IGBA anerkannter Spezialrichter) einspringen, sonst hätte die Ausstellung nicht stattfinden bzw. hätten die Vögel nicht gerichtet werden können.

Aufgrund der hohen Beschickungen in den letzten Jahren fungierten seit 2003 jeweils zwei Preisrichter. In den letzten Jahren wurden auf der Schau von über 30 Züchtern aus Deutschland, Holland, Belgien und Polen durchschnittlich konstant 500-600 Gloster ausgestellt.

Die Schau findet immer am zweiten Wochenende (Samstag) im November statt.

Sollte Ihr Interesse an dieser Glosterspezialschau geweckt worden sein, so können Sie sich für weitere Details an folgenden Ansprechpartner wenden: Walter Wedig, Tannenkamp 10, 31177 Harsum, Tel.: 05127-5793 oder 0160-98064090, E-Mail: walter.wedig@web.de

Termine und Ansprechpartner von weiteren Spezialschauen in Deutschland und im näheren Ausland finden Sie hier.

Für die bevorstehende Schausaison wünsche ich allen Ausstellern viel Erfolg.


Impressionen von der Schau im Jahre 2008

 








Welche Coronas sollte man behalten und zur weiteren Zucht verwenden? 

   (erschienen/veröffentlicht AZ-Nachrichten Nr. 12/2007)


Diese Frage stellt sich jedem Glosterzüchter jedes Jahr immer wieder aufs Neue.

Der Gloster-Fancy ist nicht nur in Deutschland einer der populärsten und beliebtesten Positurkanarienrassen. Aber wirklich gute Coronas zu züchten ist schwieriger als viele Leute annehmen und auf richtig gute Coronas können nur die wenigsten Züchter zurückgreifen. Jeder erfahrene Züchter weiß, dass man, um dem eigentlichen Zuchtziel bei dieser Rasse näher zu kommen, nämlich der Corona, doch hier und da Kompromisse eingehen muss.

Nachstehend einige grundsätzliche Gedanken zu diesem Thema aus meiner nunmehr fast dreißigjährigen Erfahrung mit dem Gloster-Fancy.

Oftmals findet man die wirklich guten Coronas bei den längeren (nach dem Standard zu langen) Vögeln. Die längeren Vögel verfügen zumeist über eine längere und breitere Feder mit einer weicheren Federstruktur. Wenn man seinen Stamm kritisch nach guten Coronas durchsucht, wird man schnell feststellen, dass der eine oder andere Vogel vielleicht insgesamt zu lang ist. Man sollte hier natürlich keinesfalls außer acht lassen, dass das Zuchtziel ein wohlproportionierter Vogel mit runder Haube und feinem glatten Gefieder ist, der aber keinesfalls (viel) zu lang sein sollte. Hier unterscheiden sich dann u.a. letztendlich auf den großen Ausstellungen die sehr guten von den Spitzenvögeln.

Man sollte auf keinen Fall Vögel mit fehlerhaften Hauben (lückenhaften, nicht kreisrunden Hauben oder gar ovalen Hauben, zu großem Mittelpunkt und/oder nicht mittig über den Augen liegenden Hauben) zur weiteren Zucht verwenden. Es sollten wirklich nur Coronas mit einer runden Haube und einem kleinen, fein strukturierten Mittelpunkt zur weiteren Zucht verwendet werden. Eine der größten Schwierigkeiten bei guten Coronas ist der „Frontteil“ der Haube. Hier können die Federn eigentlich nicht lang und füllig genug sein. Coronas mit einer kurzen Feder im „Frontteil“ der Haube werden sicherlich niemals gute Hauben an ihre Nachzucht weitergeben können. Hier kann man ggf. an einem guten Vogel andere kleinere Fehler tolerieren aber nicht Abstriche hinsichtlich der Qualität der Corona und hier ganz besonders des „Frontteils“ machen.


Oben ein Beispiel für eine gute Corona.
Above an example for a good Corona.

Sogenannte „Fasanenohren“ stellen ein weiteres Problem bei den Coronas dar. Tendenziell wachsen die Federn im Bereich der Ohren in unterschiedliche Richtungen. Schlimmstenfalls entstehen dann sogenannte „Fasanenohren“ bzw. „Hörner“. Ist dieses Problem bei ansonsten sehr guten Hauben stark ausgeprägt, sollte hier auf eine Weiterzucht mit den Tieren m.E. dennoch konsequent verzichtet werden. Das Ziel sollte es sein, dass die Corona in diesem Bereich absolut sauber und anliegend ist, ohne Anzeichen von „Fasanenohren“. Man sollte sich aber auch darüber im klaren sein, dass die meisten Ausstellungsvögel vor der Ausstellung entsprechend „schaufertig“ gemacht werden, was bedeutet, dass im Bereich der Ohren unter Umständen die eine oder andere Feder gezupft wird. Die absolut perfekte Corona gibt es nur selten.

Zur Weiterzucht sollte man auch nicht auf Vögel mit einer sehr kleinen Corona zurückgreifen, da diese nicht nur schlecht aussehen, sondern auf einer Schau auch keine Chance haben, vorne zu stehen. Vögel mit kleinen Hauben und evtl. auch noch „Fasanenohren“ erinnern mich an die Anfänge meiner Glosterzucht, als diese auch auf großen Schauen in Deutschland noch sehr verbreitet waren. Diese Zeiten sind jedoch seit längerem vorbei. Auch auf Ausstellungen in Deutschland sieht man solche Vögel kaum noch.  Man sollte jedoch niemals die Balance zwischen Corona, einem gut proportionierten Körper (Typ), Gesamtlänge des Vogels und einem feinen, sauber anliegenden Gefieder außer Acht lassen. Die Corona ist nur ein Kriterium beim Gloster, das Gesamtbild des Vogels muss immer stimmig sein.

Um einen Stamm mit wirklich guten Coronas aufzubauen, benötigt man viele Jahre, darüber sollte man sich im klaren sein. Wenn man schließlich soweit ist, über einen Stamm sehr guter Coronas zu verfügen, die auch kontinuierlich auf großen Schauen vordere Plätze belegen, dann sollte man durch gezielte Verpaarungen aus seinem gefestigten Stamm sicherstellen, dass diese Qualität auch weiter gehalten werden kann. Die Linienzucht mit genauen Aufzeichnungen (Zuchtbuch) ist hier sicherlich die gängigste und bewährteste Methode. Wenn die Grundqualität an guten Coronas im Stamm nicht vorhanden ist, sollte man sich diese hinzukaufen. Ein möglicherweise jahrelanges Herumexperimentieren mit für die Zucht nicht geeigneten Vögeln führt nur selten zum Ziel und ist in meinen Augen verlorene Zeit.

Die grundsätzliche Entscheidung, welchen Vogel, egal ob Corona oder Consort, man jedoch zur weiteren Zucht behält, sollte man erst treffen, nachdem die Tiere komplett durchgemausert sind. Manche viel versprechend aussehenden Jungvögel entpuppen sich nach der Mauser nur noch als durchschnittlicher Vogel und umgekehrt manche durchschnittlichen Nestlinge und Jungvögel zu späteren Siegervögeln. Daher wird man bei guten und erfahrenen Züchtern in aller Regel auch nicht vor Ende Oktober Jungvögel erwerben können.

Grundsätzlich sollte man auch bedenken, dass nicht jeder Siegervogel zur Zucht taugt und garantiert wieder Siegervögel auf die Stange bringt. Das Thema Genetik ist einfach zu komplex, als dass dies dann doch so einfach wäre. Bei einer systematischen Linienzucht ist die Chance jedoch sehr groß, dass Nestgeschwister oder den Siegervögeln nahe Verwandte wieder Nachzucht von herausragender Qualität bringen können.

Neben den o.a. Kriterien und Schwierigkeiten in der Glosterzucht, im speziellen bei den Coronas, gibt es natürlich eine Menge weiterer genereller Kriterien, die sowohl bei der Corona als auch beim Consort beachtet werden sollten, auf die ich hier jedoch bewusst an dieser Stelle nicht eingegangen bin, da diese den Rahmen dieses Beitrags gesprengt hätten. Nicht außer Acht zu lassende Themen wie z.B. Gefiederqualität, Einsatz von intensiven Glostern, mit welchem Consorttyp (Schauvögel mit Norwichköpfen oder über Coronas gezüchtete Consorts mit zumeist nicht so wuchtigen Köpfen?) kann ich die besten Coronas züchten, hätten eigene Beiträge und Berichte verdient!







Kanarienzucht in England - praktische Erfahrungen mit Nistgelegenheiten 

(erschienen/veröffentlicht AZ-Nachrichten Nr. 2/1991)


Es wurde mit Sicherheit schon viel über englische Zuchtmethoden, Unterbringung (engl.  Zuchtboxen), Fütterung und über Nistgelegenheiten für Kanarien geschrieben, aber welche Nistgelegenheiten englische Positurkanarienzüchter ihren Vögeln bieten, ist sicherlich den meisten deutschen Züchtern nicht bekannt. Bei meinen Englandaufenthalten konnte ich nicht nur zu diesem Thema einige interessante Beobachtungen machen.

Welcher Züchter hatte noch keine Ausfälle bei jungen Nestlingen in den ersten Tagen nach dem Schlüpfen zu beklagen? Die Gründe hierfür können natürlich vielfältiger Natur sein. Ich möchte hier nur ein Problem ansprechen, nämlich, daß die Kanarieneltern einfach schlecht füttern, obwohl das Futterangebot stimmt und das Futter von den Kanarien auch gerne angenommen wird, jedoch schlecht oder überhaupt nicht an die Jungen weitergegeben wird. Hieran müssen nicht unbedingt Ihre Zuchtvögel schuld sein, sondern vielfach sind die "falschen" Nestunterlagen bzw. die "falsche" Nestbefestigung schuld. Sie fragen sich jetzt sicherlich warum, oder, was hat das Nest bzw. Nestbefestigung mit dem Füttern der Eltern zu tun. Dazu folgendes: Die bei uns gebräuchlichsten Nistschalen, seien sie aus Draht, Kunststoff, Holz oder Ton, werden meist starr und fest an der Käfigwand befestigt. Dies gilt insbesondere natürlich auch für das Kaisernest. Jedoch gerade in dieser starren, festen Befestigung liegt ein erheblicher Nachteil für unsrer Jungtiere, denn  die noch blinden Vögelchen bemerken oftmals nicht, daß sie gefüttert werden sollen, wenn die Eltern den Nestrand anfliegen. denn wenn die Jungen in diesem Moment nicht ihre weit aufgesperrten Schnäbel der Mutter entgegenstrecken, hockt diese sich meist auf die Kleinen, um sie Warmzuhalten, ohne gefüttert zu haben.

Diesem Problem beugt man in England durch die einfache Drahtaufhängung, in der die Nistschalen hängen vor. Diese Konstruktion hat den Vorteil, daß beim Anfliegen der Eltern auf den Nestrand die ganze Konstruktion leicht ins Schwingen kommt und die Jungvögel nach diesem "Wachrütteln" sofort zu sperren beginnen. Meist werden dabei Tonschalen verwendet, die genau in die Aufhängevorrichtungen passen. Diese Schalen werden in der Regel vor Anbringung in den Zuchtkäfigen mit Jute- oder Kokoseinlagen ausgekleidet, so daß die Nester darin einen guten Halt bekommen.  Darüber hinaus haben diese Tonschalen den Vorteil, daß sie länger als alle anderen Nestunterlagen die Wärme speichern können, was dem Gelege sicherlich nicht nur zugute kommt, wenn das Weibchen das Nest verläßt. Gerade weil viele englische Züchter in ungeheizten, gut gelüfteten Gartenhäuschen ziehen, ist dort diese Art von Nistschale von großem Vorteil und Nutzen.


Daß die Vögel auf der Insel kalt überwintert werden, sei an dieser Stelle noch einmal besonders erwähnt. Die Vögel werden ohne künstliche Licht- und Wärmequellen durch den Winter gebracht, was nicht nur meiner Meinung nach wesentliche Vorteile bringt. Der natürliche Rhythmus der Jahreszeiten, die damit verbundenen unterschiedlichen Temperaturen sowie gegebenen Tages- und Nachtstunden machen den Vogel robuster und widerstandsfähiger und damit auch vitaler, was sich sicherlich positiv auf die Zucht auswirkt.

Die vorgenannten Methoden werden seit Jahren (teilweise Jahrzehnten) von meinen befreundeten Gloster-, Border- und Norwichzüchtern praktiziert. Meine eigenen Erfahrungen auf dem Gebiet der Glosterzucht mit diesen Methoden sind ebenfalls durchweg positiv.


Innen- u. Außenansichten einer Zuchtanlage in Kent
Inside and outside view of a breedingroom in Kent









Weitere Veröffentlichungen:


Glosterformeln (von Tromans, England; Übersetzung: G. Pott); AZ-Nachrichten 6/1990

Mangel an aufgehellten Glostern - Grünschecken sind leichter erhältlich (von R.J. Baggs, England; Übersetzung: G. Pott), AZ-Nachrichten 3/1991

Der Gloster auf AZ-Bundesschauen, G.Pott, AZ-Nachrichten 7/1991

Gefahren des zu frühen Verkaufs von Vögeln und Qualität ist von größter Bedeutung (von A. Young & D. Cottrell, England; Übersetzung: G. Pott), AZ-Nachrichten 5/2006


Intensive in der Glosterzucht, Dr. C. Schönfelder u. T. Müller, "Der Vogelfreund 5/2006",
klick hier


Altvogel - Jungvogel  Wer ist besser für die Zucht?, Dr. C. Schönfelder,
"Der Vogelfreund" 10/2006, klick hier


Monatsleitfaden für Glosterzüchter, G. Pott, AZ-Nachrichten 9/2007, klick  hier


Gloster - Rassebeschreibung, U. Feiter, T. Müller u. Dr. C. Schönfelder, WFV-Landesverband 13 DKB, klick hier