Tipps/Artikel/Veröffentlichungen

Allgemeine Themen:


1. Glosterspezialschauen aus Sicht eines Züchters 

2. Das Idealbild des Glosters oder: Wo sind die Aufgehellten geblieben?

3. Welche Coronas sollte man behalten und zur weiteren Zucht verwenden?

4. Kanarienzucht in England - praktische Erfahrungen mit Nistgelegenheiten

5. Weitere Veröffentlichungen


Weitere Artikel rund um die Themen Gefieder, Farben, Mauser finden Sie auch hier (siehe auch Buttonleiste links)





  Glosterspezialschauen aus Sicht eines Züchters



  (erschienen/veröffentlicht AZ-Vogelinfo Nr. 9/2009)


Die aktuelle Schausaison steht unmittelbar bevor. Die jungen Gloster sind hoffentlich alle gut durch die Mauser gekommen. Jeder ambitionierte Züchter möchte nun seine Vögel ausstellen und mit den Besten seiner Rasse vergleichen. Für diesen Vergleich bieten sich neben den Vereinsschauen, den Landesschauen und insbesondere der Bundesschau aus meiner Sicht auch ganz besonders die Spezialschauen an. Diese Spezialschauen unterscheiden sich von den zuvor erwähnten Schauen in einigen Punkten, auf die ich im folgenden Text noch weiter eingehen werde. Auf einer Glosterspezialschau kann aus meiner Erfahrung nicht nur der Anfänger einiges lernen, auch der fortgeschrittene Glosterzüchter kann hier sicherlich das ein oder andere mitnehmen.

Auf diesen Spezialschauen werden - wie auf den entsprechenden Schauen in Großbritannien, dem Mutterland des Gloster - die Vögel an einem Tag gerichtet und ausgestellt (sogenannte „Eintagesschau“). Das heißt, morgens erfolgt die Einlieferung, anschließend findet ein „offenes“ Richten durch englische Preisrichter statt und nachmittags ist die Ausgabe der ausgestellten Vögel. Die ganze Schau findet somit an einem Tag statt und die Vögel stehen damit nicht mehrere Tage auf einer Schau.

Ein „offenes“ Richten bedeutet, dass die Vögel im Beisein bzw. vor den Augen der Züchter (dies ist der Unterschied zu den herkömmlichen Schauen, wo die Vögel unter Ausschluss der Öffentlichkeit Tags zuvor gerichtet werden) nach dem Platzierungssystem (Platz 1-7, so wie es auch bei der AZ praktiziert wird) gerichtet werden.

Selbstverständlich werden die Klassen nach Hahn und Henne getrennt sowie nach Jung- und Altvogel. Auf den internationalen Glosterspezialschauen ist es üblich, dass die Klassen entsprechend nach Hahn und Henne aufgeteilt werden. Dies ist jedoch wiederum nur möglich, da die zuvor erwähnten Spezialpreisrichter aufgrund ihrer Erfahrung mit dieser Rasse in der Lage sind, Hahn und Henne zweifelsfrei zu unterscheiden.

Nach dem Richten besteht u.a. auch die Möglichkeit, mit dem Zuchtrichter über das Ergebnis zu diskutieren. Wer bereits ein „offenes“ Richten miterlebt hat, kann m.E. besser nachempfinden und verstehen, warum z.B. der eine oder andere Vogel (vielleicht auch der eigene, den man subjektiv als den viel besseren gegenüber der Konkurrenz einschätzt) nicht als der Klassenbeste oder gar Siegervogel aus einer Schau hervorgeht. Oftmals entscheiden nur Kleinigkeiten darüber, warum der eine oder andere Vogel nicht auf den vorderen Plätzen landet, der Vogel braucht z.B. im Moment des Richtens nur etwas nervöser zu sein und präsentiert sich gegenüber der Konkurrenz zu diesem Zeitpunkt nicht so, wie der dann besser platzierte und schon kostet dies u.U. den besseren Platz. Bei den herkömmlichen Schauen lassen sich solche Entscheidungen oftmals nicht mehr nachvollziehen und der eine oder andere Züchter steht vor den Ausstellungsregalen und fragt sich, warum jetzt z.B. der oder der Vogel besser platziert ist, obwohl andere dahinter Platzierte vielleicht doch den Standard besser erfüllen.

Als ein Pflichtprogramm für den Glosterzüchter in Deutschland sehe ich die Spezialschau in Harsum an, für die ich an dieser Stelle gerne Werbung machen möchte.

Auf der Schau in Harsum werden ausschließlich englische Spezialpreisrichter verpflichtet, die von der IGBA (International Gloster Breeders Association) anerkannt wurden. Seit der ersten Spezialschau in Harsum im Jahre 1996 kamen u.a. die namhaften und wohlbekannten Preisrichter Popham, Shepard, Storey, Gash, Barrett, Dunn, Rands, Kelham, Rutland, Salmon, M. u. P. Guest sowie M. u. D. Moore zum Einsatz. Lediglich einmal konnte aufgrund von höherer Gewalt (Brand auf dem Londoner Flughafen) kein engl. Preisrichter eingesetzt werden. Kurzfristig konnte damals der in Deutschland allseits bekannte Glosterzüchter und Preisrichter Lothar Schüller (ein von der IGBA anerkannter Spezialrichter) einspringen, sonst hätte die Ausstellung nicht stattfinden bzw. hätten die Vögel nicht gerichtet werden können.

Aufgrund der hohen Beschickungen in den letzten Jahren fungierten seit 2003 jeweils zwei Preisrichter. In den letzten Jahren wurden auf der Schau von über 30 Züchtern aus Deutschland, Holland, Belgien und Polen durchschnittlich konstant 500-600 Gloster ausgestellt.

Die Schau findet immer am zweiten Wochenende (Samstag) im November statt.

Sollte Ihr Interesse an dieser Glosterspezialschau geweckt worden sein, so können Sie sich für weitere Details an folgenden Ansprechpartner wenden: Walter Wedig, Tannenkamp 10, 31177 Harsum, Tel.: 05127-5793 oder 0160-98064090, E-Mail: walter.wedig@web.de

Termine und Ansprechpartner von weiteren Spezialschauen in Deutschland und im näheren Ausland finden Sie hier.

Für die bevorstehende Schausaison wünsche ich allen Ausstellern viel Erfolg.


Impressionen von der Schau im Jahre 2008

 





                                                               

 Das Idealbild des Gloster oder: Wo sind die Aufgehellten  geblieben?


Das Zuchtziel und Idealbild des Gloster im Mutterland war bis in die sechziger Jahre ein gänzlich aufgehellter Vogel mit dunkler Haube oder mit entsprechender Schwalbenzeichnung. Auch der Grizzle, also völlig aufgehellte Vögel mit maximal einer gesprenkelten Haube, zählte seinerzeit dazu. Diese aufgehellten Vögel stellten das Idealbild in der Glosterzucht dar und dominierten alle Schauen. Auch auf allen Abbildungen aus dieser Zeit waren ausschließlich solche Vögel zu bewundern.





 So sah das Idealbild des Gloster bis in die sechziger Jahre aus.
Oben eine frühe Zeichnung aus den 30er/40er Jahren.

Until the sixties the ideal Gloster looked like that.
Above an early picture from the 30s or 40s.


Dies hat sich seitdem grundlegend geändert. Im Mutterland des Gloster  dominieren die dunklen Vögel die Schauen und die hellen bilden nunmehr eine Minderheit. Dies sieht in Deutschland nicht anders aus. Die Grünen und Grünschecken werden zuhauf gezüchtet und ausgestellt. Den aufgehellten Vogel, geschweige denn den Grizzle, den aufgehellten mit dunkler Haube sowie den mit Schwalbenzeichnung muss man suchen gehen.

In der Handbuchausgabe Nr.1/ 2006 des IGBA wurde mit einem Bericht auf diese Entwicklung aufmerksam gemacht mit der Überschrift: „Bringt die rein Gelben und Grizzles zurück“. Im Text heißt es dann weiter, es ist noch nicht zu spät, nehmt Euch dieser Herausforderung an, ihr Top-Züchter der dunklen B-Vögel!

Nicht treffender könnte man es natürlich für das Schauwesen und den Gloster in Deutschland formulieren und sich wünschen, dass die schönen Aufgehellten auf absehbare Zeit keine Minderheit mehr bilden, wie heut zu Tage. Auch ich persönlich würde mich freuen, wenn sich das Bild des Gloster in der Zukunft wieder ändern würde und mehr die schönen hellen Vögel zu bewundern wären. In diesem Zusammenhang möchte ich auch auf eine frühere Veröffentlichung „Mangel an aufgehellten Glostern, Grünschecken sind leichter erhältlich“ von mir verweisen (siehe AZN, Ausgabe Nr. 3/1991).

Man sollte sich aber natürlich darüber im klaren sein, dass eine Zucht ohne die dunklen Vögel mit ihrer zumeist guten bzw. besseren Federqualität als bei den aufgehellten nicht möglich wäre. Einen Stamm Gloster mit nur hellen Vögeln aufzubauen würde über kurz oder lang zu einem Desaster führen. Die Federqualität bei den hellen Vögeln lässt sich gegenüber den dunklen Vögeln nicht so leicht kontrollieren und bei wiederholten Verpaarungen von hellen Vögeln würde dies zwangsläufig früher oder später zu Tieren mit losem Gefieder führen. Aber mit einem Stamm sehr guter dunkler Vögel dürfte es für den erfahrenen Züchter kein Problem sein, auch mehr helle Vögel zu züchten und mit Erfolg auszustellen. Es versteht sich von selbst, dass bei aller Vorliebe für aufgehellte Gloster und dem Wunsch nach den „alten Zeiten“ beim Gloster die sonstigen strengen Kriterien wie Typ, Federqualität, Größe etc. beachtet werden müssen. Dies gilt natürlich ebenso bei den dunklen Vögeln sowie all den anderen Farbvarianten (Cinnamon, Weißgrundige etc.). 


Auch so können aufgehellte Gloster aussehen.
Auf diesen Bildern sehen Sie einen sehr seltenen weißen Grizzle und einen
  einen "normalen" Grizzle in Top-Qualität von Barbara Gray.

  Lighted Birds can also look like that. On this photo you can see
a very rare white Grizzle and an ordinary Grizzle from
Barbara Gray of top-quality.




                                                                 

Oder auch so. Eine aufgehellte
Consort Henne mit einer sehr hübschen
Grizzle-Scheckung von T.M. Berrisford.

Or like that. A lighted hen with a very
beautiful grizzled colour from T.M. Berrisford.








Welche Coronas sollte man behalten und zur weiteren Zucht verwenden? 

   (erschienen/veröffentlicht AZ-Nachrichten Nr. 12/2007)


Diese Frage stellt sich jedem Glosterzüchter jedes Jahr immer wieder aufs Neue.

Der Gloster-Fancy ist nicht nur in Deutschland einer der populärsten und beliebtesten Positurkanarienrassen. Aber wirklich gute Coronas zu züchten ist schwieriger als viele Leute annehmen und auf richtig gute Coronas können nur die wenigsten Züchter zurückgreifen. Jeder erfahrene Züchter weiß, dass man, um dem eigentlichen Zuchtziel bei dieser Rasse näher zu kommen, nämlich der Corona, doch hier und da Kompromisse eingehen muss.

Nachstehend einige grundsätzliche Gedanken zu diesem Thema aus meiner nunmehr fast dreißigjährigen Erfahrung mit dem Gloster-Fancy.

Oftmals findet man die wirklich guten Coronas bei den längeren (nach dem Standard zu langen) Vögeln. Die längeren Vögel verfügen zumeist über eine längere und breitere Feder mit einer weicheren Federstruktur. Wenn man seinen Stamm kritisch nach guten Coronas durchsucht, wird man schnell feststellen, dass der eine oder andere Vogel vielleicht insgesamt zu lang ist. Man sollte hier natürlich keinesfalls außer acht lassen, dass das Zuchtziel ein wohlproportionierter Vogel mit runder Haube und feinem glatten Gefieder ist, der aber keinesfalls (viel) zu lang sein sollte. Hier unterscheiden sich dann u.a. letztendlich auf den großen Ausstellungen die sehr guten von den Spitzenvögeln.

Man sollte auf keinen Fall Vögel mit fehlerhaften Hauben (lückenhaften, nicht kreisrunden Hauben oder gar ovalen Hauben, zu großem Mittelpunkt und/oder nicht mittig über den Augen liegenden Hauben) zur weiteren Zucht verwenden. Es sollten wirklich nur Coronas mit einer runden Haube und einem kleinen, fein strukturierten Mittelpunkt zur weiteren Zucht verwendet werden. Eine der größten Schwierigkeiten bei guten Coronas ist der „Frontteil“ der Haube. Hier können die Federn eigentlich nicht lang und füllig genug sein. Coronas mit einer kurzen Feder im „Frontteil“ der Haube werden sicherlich niemals gute Hauben an ihre Nachzucht weitergeben können. Hier kann man ggf. an einem guten Vogel andere kleinere Fehler tolerieren aber nicht Abstriche hinsichtlich der Qualität der Corona und hier ganz besonders des „Frontteils“ machen.


Oben ein Beispiel für eine gute Corona.
Above an example for a good Corona.

Sogenannte „Fasanenohren“ stellen ein weiteres Problem bei den Coronas dar. Tendenziell wachsen die Federn im Bereich der Ohren in unterschiedliche Richtungen. Schlimmstenfalls entstehen dann sogenannte „Fasanenohren“ bzw. „Hörner“. Ist dieses Problem bei ansonsten sehr guten Hauben stark ausgeprägt, sollte hier auf eine Weiterzucht mit den Tieren m.E. dennoch konsequent verzichtet werden. Das Ziel sollte es sein, dass die Corona in diesem Bereich absolut sauber und anliegend ist, ohne Anzeichen von „Fasanenohren“. Man sollte sich aber auch darüber im klaren sein, dass die meisten Ausstellungsvögel vor der Ausstellung entsprechend „schaufertig“ gemacht werden, was bedeutet, dass im Bereich der Ohren unter Umständen die eine oder andere Feder gezupft wird. Die absolut perfekte Corona gibt es nur selten.

Zur Weiterzucht sollte man auch nicht auf Vögel mit einer sehr kleinen Corona zurückgreifen, da diese nicht nur schlecht aussehen, sondern auf einer Schau auch keine Chance haben, vorne zu stehen. Vögel mit kleinen Hauben und evtl. auch noch „Fasanenohren“ erinnern mich an die Anfänge meiner Glosterzucht, als diese auch auf großen Schauen in Deutschland noch sehr verbreitet waren. Diese Zeiten sind jedoch seit längerem vorbei. Auch auf Ausstellungen in Deutschland sieht man solche Vögel kaum noch.  Man sollte jedoch niemals die Balance zwischen Corona, einem gut proportionierten Körper (Typ), Gesamtlänge des Vogels und einem feinen, sauber anliegenden Gefieder außer Acht lassen. Die Corona ist nur ein Kriterium beim Gloster, das Gesamtbild des Vogels muss immer stimmig sein.

Um einen Stamm mit wirklich guten Coronas aufzubauen, benötigt man viele Jahre, darüber sollte man sich im klaren sein. Wenn man schließlich soweit ist, über einen Stamm sehr guter Coronas zu verfügen, die auch kontinuierlich auf großen Schauen vordere Plätze belegen, dann sollte man durch gezielte Verpaarungen aus seinem gefestigten Stamm sicherstellen, dass diese Qualität auch weiter gehalten werden kann. Die Linienzucht mit genauen Aufzeichnungen (Zuchtbuch) ist hier sicherlich die gängigste und bewährteste Methode. Wenn die Grundqualität an guten Coronas im Stamm nicht vorhanden ist, sollte man sich diese hinzukaufen. Ein möglicherweise jahrelanges Herumexperimentieren mit für die Zucht nicht geeigneten Vögeln führt nur selten zum Ziel und ist in meinen Augen verlorene Zeit.

Die grundsätzliche Entscheidung, welchen Vogel, egal ob Corona oder Consort, man jedoch zur weiteren Zucht behält, sollte man erst treffen, nachdem die Tiere komplett durchgemausert sind. Manche viel versprechend aussehenden Jungvögel entpuppen sich nach der Mauser nur noch als durchschnittlicher Vogel und umgekehrt manche durchschnittlichen Nestlinge und Jungvögel zu späteren Siegervögeln. Daher wird man bei guten und erfahrenen Züchtern in aller Regel auch nicht vor Ende Oktober Jungvögel erwerben können.

Grundsätzlich sollte man auch bedenken, dass nicht jeder Siegervogel zur Zucht taugt und garantiert wieder Siegervögel auf die Stange bringt. Das Thema Genetik ist einfach zu komplex, als dass dies dann doch so einfach wäre. Bei einer systematischen Linienzucht ist die Chance jedoch sehr groß, dass Nestgeschwister oder den Siegervögeln nahe Verwandte wieder Nachzucht von herausragender Qualität bringen können.

Neben den o.a. Kriterien und Schwierigkeiten in der Glosterzucht, im speziellen bei den Coronas, gibt es natürlich eine Menge weiterer genereller Kriterien, die sowohl bei der Corona als auch beim Consort beachtet werden sollten, auf die ich hier jedoch bewusst an dieser Stelle nicht eingegangen bin, da diese den Rahmen dieses Beitrags gesprengt hätten. Nicht außer Acht zu lassende Themen wie z.B. Gefiederqualität, Einsatz von intensiven Glostern, mit welchem Consorttyp (Schauvögel mit Norwichköpfen oder über Coronas gezüchtete Consorts mit zumeist nicht so wuchtigen Köpfen?) kann ich die besten Coronas züchten, hätten eigene Beiträge und Berichte verdient!


Anmerkung: Dieser Artikel wurde auch ins griechische übersetzt und hier veröffentlicht!






Kanarienzucht in England - praktische Erfahrungen mit Nistgelegenheiten 

(erschienen/veröffentlicht AZ-Nachrichten Nr. 2/1991)


Es wurde mit Sicherheit schon viel über englische Zuchtmethoden, Unterbringung (engl.  Zuchtboxen), Fütterung und über Nistgelegenheiten für Kanarien geschrieben, aber welche Nistgelegenheiten englische Positurkanarienzüchter ihren Vögeln bieten, ist sicherlich den meisten deutschen Züchtern nicht bekannt. Bei meinen Englandaufenthalten konnte ich nicht nur zu diesem Thema einige interessante Beobachtungen machen.

Welcher Züchter hatte noch keine Ausfälle bei jungen Nestlingen in den ersten Tagen nach dem Schlüpfen zu beklagen? Die Gründe hierfür können natürlich vielfältiger Natur sein. Ich möchte hier nur ein Problem ansprechen, nämlich, daß die Kanarieneltern einfach schlecht füttern, obwohl das Futterangebot stimmt und das Futter von den Kanarien auch gerne angenommen wird, jedoch schlecht oder überhaupt nicht an die Jungen weitergegeben wird. Hieran müssen nicht unbedingt Ihre Zuchtvögel schuld sein, sondern vielfach sind die "falschen" Nestunterlagen bzw. die "falsche" Nestbefestigung schuld. Sie fragen sich jetzt sicherlich warum, oder, was hat das Nest bzw. Nestbefestigung mit dem Füttern der Eltern zu tun. Dazu folgendes: Die bei uns gebräuchlichsten Nistschalen, seien sie aus Draht, Kunststoff, Holz oder Ton, werden meist starr und fest an der Käfigwand befestigt. Dies gilt insbesondere natürlich auch für das Kaisernest. Jedoch gerade in dieser starren, festen Befestigung liegt ein erheblicher Nachteil für unsrer Jungtiere, denn  die noch blinden Vögelchen bemerken oftmals nicht, daß sie gefüttert werden sollen, wenn die Eltern den Nestrand anfliegen. denn wenn die Jungen in diesem Moment nicht ihre weit aufgesperrten Schnäbel der Mutter entgegenstrecken, hockt diese sich meist auf die Kleinen, um sie Warmzuhalten, ohne gefüttert zu haben.

Diesem Problem beugt man in England durch die einfache Drahtaufhängung, in der die Nistschalen hängen vor. Diese Konstruktion hat den Vorteil, daß beim Anfliegen der Eltern auf den Nestrand die ganze Konstruktion leicht ins Schwingen kommt und die Jungvögel nach diesem "Wachrütteln" sofort zu sperren beginnen. Meist werden dabei Tonschalen verwendet, die genau in die Aufhängevorrichtungen passen. Diese Schalen werden in der Regel vor Anbringung in den Zuchtkäfigen mit Jute- oder Kokoseinlagen ausgekleidet, so daß die Nester darin einen guten Halt bekommen.  Darüber hinaus haben diese Tonschalen den Vorteil, daß sie länger als alle anderen Nestunterlagen die Wärme speichern können, was dem Gelege sicherlich nicht nur zugute kommt, wenn das Weibchen das Nest verläßt. Gerade weil viele englische Züchter in ungeheizten, gut gelüfteten Gartenhäuschen ziehen, ist dort diese Art von Nistschale von großem Vorteil und Nutzen.


Daß die Vögel auf der Insel kalt überwintert werden, sei an dieser Stelle noch einmal besonders erwähnt. Die Vögel werden ohne künstliche Licht- und Wärmequellen durch den Winter gebracht, was nicht nur meiner Meinung nach wesentliche Vorteile bringt. Der natürliche Rhythmus der Jahreszeiten, die damit verbundenen unterschiedlichen Temperaturen sowie gegebenen Tages- und Nachtstunden machen den Vogel robuster und widerstandsfähiger und damit auch vitaler, was sich sicherlich positiv auf die Zucht auswirkt.

Die vorgenannten Methoden werden seit Jahren (teilweise Jahrzehnten) von meinen befreundeten Gloster-, Border- und Norwichzüchtern praktiziert. Meine eigenen Erfahrungen auf dem Gebiet der Glosterzucht mit diesen Methoden sind ebenfalls durchweg positiv.


Innen- u. Außenansichten einer Zuchtanlage in Kent
Inside and outside view of a breedingroom in Kent









Weitere Veröffentlichungen:


Glosterformeln (von Tromans, England; Übersetzung: G. Pott); AZ-Nachrichten 6/1990

Mangel an aufgehellten Glostern - Grünschecken sind leichter erhältlich (von R.J. Baggs, England; Übersetzung: G. Pott), AZ-Nachrichten 3/1991

Der Gloster auf AZ-Bundesschauen, G.Pott, AZ-Nachrichten 7/1991

Gefahren des zu frühen Verkaufs von Vögeln und Qualität ist von größter Bedeutung (von A. Young & D. Cottrell, England; Übersetzung: G. Pott), AZ-Nachrichten 5/2006


Monatsleitfaden für Glosterzüchter, G. Pott, AZ-Nachrichten 9/2007; Klick: Hier